Akademisierte Krankenschwestern

Pflegequalität und Studium

Es besteht eine Korrelation zwischen dem Akademisierungsgrad von Pflegepersonal und der Qualität von Pflege. Eine im Jahr 2013 veröffentlichte Studie belegt, dass der Grad an Akademisierung von Krankenschwestern die Sterberate von Patienten beeinflusst: Je höher der Anteil an akademisierten Pflegefachkräften ist, so das "International Journal of Nursing Studies", umso niedriger ist die Sterberate von Patienten in Kliniken und Krankenhäusern. Diese Ergebnis ist nicht überraschend und gibt Anlass zu einem Umdenken in der deutschen Pflegebranche.

 

Da in Deutschland der Akademisierungsgrad geringer ist als in vergleichbaren europäischen Ländern, ist die Sterberate höher als in der Schweiz, Italien oder Spanien. In diesen Ländern werden akademisierte Pflegekräfte eingesetzt, die über ein drei bis fünfjähriges Studium verfügen.

An der Stelle eines "Bachelor of Science in Pflege" aus der Schweiz oder dem "grado en enfermería" aus Spanien, sieht das deutsche Berufsbild der Pflegefachkraft eine dreijährige Berufsausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger vor. Die Korrelation zwischen Akademisierung von Pflege und der Qualität von Pflege ist auch in Deutschland bekannt. Daher wird seit Jahren eine systematische Akademisierung auch der deutschen Pflege gefordert.

 

Man verspricht sich eine Steigerung der Qualität und eine bessere Zusammenarbeit zwischen den behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal. Zusätzlich vermuten die Wissenschaftler eine Steigerung der Attraktivität von Pflegeberufen und eine höhere Nachfrage nach Studienplätzen. Neben der Qualitätssteigerung wäre dies ein weiterer Baustein gegen den Fachkräftemangel in der Pflege.


Akademisierte Krankenschwestern erhöhen die Pflegequalität

Studium der Pflegewissenschaften im EU-Vergleich

Länder Jahre Credits Ort
Schweden 3  180 Universität
Finnland 3 1/2 210 Universität
Schottland 3 240 Universität
Deutschland 3 240 Fachhochschule
Belgien 3 180 Fachschule
Holland 4 240 Universität
Tschechien 3 180 Universität
Ungarn 3/4 240 Fachschule
Turkei 4 240 Universität
Italien 3 180 Universität
Portugal 4 240 Fachhochschule
Spanien 4 240 Universität

Die Einführung von neuen Studiengängen an den medizinischen Fakultäten stehen für diese Tendenz.

In den Jahren 2003 bis 2005 werden die Studiengänge "Bachelor der Pflegewissenschaften" an der medizinischen Fakultät in Freiburg und der Studiengang Gesundheits- und Pflegemanagement an der Alice Salomon Hochschule in Berlin eingeführt. Beide Studiengänge schließen mit dem Bachelor of Science ab. In Deutschland setzt sich die Tendenz fort, die Pflege zu akademisieren. Jedoch stößt eine vollständige Akademisierung der Pflege noch auf Widerstand, da es auch eine Beschneidung der Kompetenzen von Ärzten und Assistenzärzten bedeutet. In den Krankenhäusern würde sich der Personalschlüssel zu Ungunsten der kostenintensiveren Ärzte verändern. Eine Kostenersparnis, aber auch eine Veränderung des Gesundheitssystems, das in deutschen Kliniken nicht immer einfach zu kommunizieren ist. Laut des "International Journal of Nursing Studies" ist die Kompetenzverschiebung aber notwendig, nicht nur um die Kosten im Gesundheitsbereich zu reduzieren, sondern auch, um die Qualität der Pflege zu verbessern, was eine Reduzierung der Sterberate in deutschen Krankenhäusern bedeuten kann.

 


Die deutsche Pflegebranche zögert

Zur sofortigen Qualitätssteigerung in deutschen Kliniken und Krankenhäusern kann der Einsatz von akademisierten Krankenschwestern aus dem Ausland führen. Hierin sieht die Bertelsmann Stiftung ein Mittel zur Verbesserung der Personalsituation an deutschen Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

 

In ihrer Pressemeldung aus dem Mai 2015 stellt sie fest, dass 61% aller aus dem europäischen Ausland stammenden Pflegekräfte aus Spanien rekrutiert werden. Im südeuropäischen Ausland trifft die Branche auf hervorragend ausgebildetes Pflegepersonal. Jedoch, so mahnt die Bertelsmann Stiftung an, müssen die Anstrengungen intensiviert werden: "Kaum ein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland hat derart große Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. 61 Prozent der Pflegeeinrichtungen haben Vakanzen, durchschnittlich sind dort 4,3 Stellen unbesetzt." Dennoch habe bislang nur ein Sechstel aller Pflegeeinrichtungen versucht, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren.cEin Umstand, den sich die Bertelsmann Stiftung nur durch Vorurteile in der Pflegebranche erklären kann. Obwohl die bisher gemachten Erfahrungen mehrheitlich positiv seien, wird die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften noch immer mit der Anwerbung von gering qualifizierten gleichgesetzt. Man nehme noch nicht ausreichend zur Kenntnis, dass sich die Qualität der Einwanderung stark verändert habe.

Die Einwanderungsgeneration aus dem Jahr 2015 hat zu über 50% einen Hochschultitel. Die spanischen Pflegekräfte sind zu 100% akademisiert, was zu der sehr positiven Einschätzung derjenigen geführt hat, die spanisches Pflegepersonal eingestellt haben. Hinzu kommt, dass die Chancen derzeit so günstig sind wie nie, in Spanien motiviertes Personal zu finden.

Denn die Arbeitsmarktkrise habe für eine zunehmende Bereitschaft unter den Pflegefachkräften gesorgt, nach Deutschland und in die Schweiz auszuwandern. Auch wenn der sprachliche Einstieg mit Problemen verbunden sei, so die Bertelsmann Stiftung, kann die Anstellung spanischer Pflegekräfte für eine sukzessive Qualitätssteigerung und eine deutliche Entspannung in Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen führen. Das spanische Studium der Gesundheits- und Pflegewissenschaften hat bis 2008 drei Jahre gedauert. Durch eine engere Verzahnung zwischen Forschung und Pflege und eine zunehmende Professionalisierung, studieren spanische Pfleger inzwischen vier Jahre lang.cDie Stundenanzahl liegt bei durchschnittlich 6150h mit insgesamt 240 Credit Points. Die Kompetenz spanischer Pflegekräfte befindet sich auf hohem pflegerischen und wissenschaftlichen Niveau. Ein umfassender Austausch in Medizin und Pflege findet statt. Die Anstellung spanischer Krankenschwestern könne somit zu einer Qualitätsverbesserung in der Pflege und in der Folge zu einer Verminderung der Sterberate in deutschen Krankenhäusern führen.