Spanische Pflegekräfte in Berlin

Spanische Pflegekräfte in Berlin

TV-Beitrag im rbb über spanische Fachkräfte in Berlin

Die Krise im eigenen Land zwingt viele Spanier dazu auszuwandern, oft nach Deutschland. Und Jugendliche- mehr als 55% von ihnen sind arbeitslos- kommen gerne nach Berlin. Sie kennen die Hauptstadt mit unter als Partyort, aber hier Fuß zu fassen ist eine ganz andere Sache. Zwar gibt es viele Unternehmen, die an gut ausgebildeten Arbeitskräften interessiert sind, doch das ist nur der Türöffner für einen beschwerlichen Weg.  Die Krise in ihrem Heimatland hat Susanna García Martín von Spanien nach Deutschland katapultiert. Die 24j-ährige aus Granada ist ausgebildete Krankenschwester. Als sie zuhause keine Arbeit fand, lernte sie deutsch, packte die Koffer und ging mit Hilfe einer spanisch-deutschen Personalvermittlung von Andalusien nach Berlin.  Die neue Arbeit ist für Susana eine Herausforderung. Für Adrian und sein Arbeitgeber das Hotel „Mercure“ kommt das neue Programm zu spät. Video sehen

Der 21-jährige aus der Nähe von Alicante startete seine dreijährige Ausbildung bereits Ende August. Sein behütetes Zuhause tauschte er gegen Hotel, Berufsschule und Unterkunft im Wohnheim.

Adrián Rodríguez: „Viele Leute sind ins Ausland gegangen und innerhalb eines halben Jahres sind sie zurückgekehrt, es ist nicht einfach sich an eine neue Kultur zu gewöhnen und an eine neue Sprache. Und natürlich muss man Arbeit finden, es ist ja nicht so, dass man am Flughafen ankommt und sofort eine Arbeit hat - das ist sehr schwer.“ Auch Rudolph Freiherr von Ketteler weiß um die Startschwierigkeiten. Er war es, der das Ausbildungsprojekt in mehreren berliner Hotels bei „Mercure“ ins Leben gerufen hat. Mit Unterstützung der „Rotary-Clubs Berlin und Madrid“ erhielten fünf Jugendliche aus Spanien kostenloses Sprachtraining und einen Ausbildungsplatz.


Praxis hatte sie so gut wie keine, schon gar nicht im Pflegebereich. Mittlerweile hat sie sich an die Bewohner des Heims gewöhnt und die sich umgekehrt auch an sie. Susana García Martín: „Anfangs war es schwierig, besonders weil die älteren Leute es gewöhnt sind deutsch zu reden. Wenn dann ein Ausländer kommt und nicht gut deutsch spricht, verstehen sie dich nicht. Mittlerweile aber geht es schon besser.“

Für die vollständige Anerkennung ihrer spanischen Ausbildung in Deutschland braucht Susana jedoch noch bessere Sprachkenntnisse. Momentan fehlt ihr das notwendige Zertifikat. Vorerst darf sie daher nur als Pflegehelferin arbeiten. Ihr Kollege José hingegen hat die erforderliche Qualifikation bereits, im Wachkomabereich des Heims verdient er damit nicht nur rund ein Drittel mehr, sondern hat auch ein größeres Aufgabengebiet, darf beispielsweise einen Katheter legen oder Injektionen geben. Der Mangel an Fachkräften war der Auslöser für die Heimleitung, sich in Spanien nach Mitarbeitern umzusehen. Eine interessante Alternative, wenn auch nicht so einfach wie erwartet.  Rudolph Freiherr von Ketteler:  „Die coole berliner Stadt, die

interessanten Hotels und eine neue Fremdsprache für die jungen Menschen ist eigentlich ein Paket, was sehr interessant ist und, wie sich dann auch zeigte bei den vielen Bewerbern, auch war.“

Dennoch, drei seiner Azubis kamen mit dem neuen Job nicht klar, hatten Heimweh und sind bereits nach Spanien zurück. Sich auf dem europäischen Arbeitsmarkt zurechtzufinden ist für die Jugendlichen gewöhnungsbedürftig. In anderen Branchen jedoch ist das längst Normalität. Marta Santiuste kam mit ihrer Familie von Barcelona nach Berlin. Als Radiologin arbeitet sie bei Bayer Pharma im Bereich der klinischen Entwicklung – ein Arbeitsplatz wo weder Herkunft noch Sprache der Mitarbeiter eine Rolle spielen.

Marta Santiuste: „Sie sprechen deutsch, englisch und andere Fremdsprachen. Hier bei Bayer ist es die Ausnahme, dass jemand weniger als zwei Sprachen spricht. Darüber hinaus ist es sehr leicht, sich in Berlin einzugewöhnen, denn die Stadt ist sehr offen für neue Kulturen und sehr international.“ Am Arbeitsplatz spricht sie englisch, im Alltag deutsch oder spanisch. Für Marta und ihre Familie ist der Start in Berlin geglückt, das aber ist nicht selbstverständlich.


Hans-Joachim Fischer: „Die Belastung an sich für die Bewerber, sich hier zu integrieren ist deutlich höher als für unsere Stammbelegschaft, insofern arbeiten diese Mitarbeiter im Moment auch 75%, um genügend Zeit zu haben dann in den Nachmittags- und Abendstunden ihre Sprachschule noch zu absolvieren.“

Und die zahlt momentan das Pflegeheim. Der deutsch-spanische Personalvermittler Vicente Milán hofft, dass sich solche Kosten künftig durch die neuen Staathilfen der Bundesregierung senken lassen. 

Vicente Milán: „Wenn der Staat Sprachkurse in Deutschland oder Spanien finanziert oder Umzugskosten, dann ist es eine große Hilfe und gute Grundlage für die Firmen und die 10.000 Spanier, die wir in unserer Datenbank haben.“

Wolfgang Petry: „Die Familien können durchaus Probleme mit so einem Wechsel haben. Wir versuchen das zu unterstützen, indem wir für die ersten Jahre Schulgeld zahlen oder einen Sprachkurs finanzieren. Aber gegen Heimweh können wir natürlich nichts machen.“

Das weiß auch Susana. Beim gemeinsamen Essen mit den spanischen Freunden nach Feierabend fühlt sie sich fast wie zuhause. Einzig die Klebezettel erinnern an die vielen Vokabeln, die noch zu lernen sind. Berlin ist nur eine Etappe in ihrem Leben, bis die Krise in Spanien zu Ende ist.

Susana García Martín: „Ich bleibe eine Weile, langfristig aber gehe ich nach Spanien zurück.“   

 

Beitrag: Ira Zahlmann - 20.03.2013 - rbb: was!